Manhattan in den 1920er-Jahren. Die ehemaligen Schulfreundinnen Irene (Tessa Thompson) und Clare (Ruth Negga) treffen sich zufällig wieder.
Beide sind ethnisch gemischt und gehören der gehobenen Mittelschicht an. Doch während Irene als Afroamerikanerin immer noch in Harlem wohnt und mit dem schwarzen Arzt Brian (André Holland) verheiratet ist, lebt Clare inzwischen als Weisse in Chicago mit ihrem rassistischen Gatten John (Alexander Skarsgård). Das Wiedersehen zwingt beide dazu, sich mit ihrem bisherigen Leben auseinanderzusetzen.
Der 1929 erschienene Roman «Seitenwechsel» der New Yorkerin Nella Larsen (1891–1964) zählt zu den zentralen Werken der literarischen «Harlem Renaissance» und heisst im Original «Passing». Dieser Begriff bezeichnet das Durchgehen einer Person als anderes Geschlecht, andere Klasse oder eben – wie hier – andere Ethnie.
Diesem soziologischen Phänomen begegnen ethnisch gemischte Menschen regelmässig: die afro-karibisch-dänische Larsen vor 100 Jahren genauso wie heute die mütterlicherseits gemischt-ethnische Schauspielerin Rebecca Hall (39), die hiermit ihr Regiedebüt gibt.
15 Jahre musste sie dafür kämpfen, ihr Herzensprojekt realisieren zu können. Halls Entscheidung, den Film schwarzweiss im Bildformat 4:3 umzusetzen, machte die Suche nach Produktionsgeldern auch nicht einfacher.
Doch das Warten hat sich gelohnt: Hall schuf einen beachtlichen Erstling, der nicht nur der Vorlage gerecht wird, sondern bis heute aktuelle Themen wie die Suche nach der eigenen Identität anspricht. Das Ensemble ist nicht minder überzeugend, allen voran die brillante Tessa Thompson («Westworld»).
Netflix | Drama
Mit Tessa Thompson, Ruth Negga, André Holland, Alexander Skarsgård; Regie: Rebecca Hall
Ebenso mitreissend als Zeitbild wie als zeitloses Drama
USA/GB 2021, ab 10. November 2021