Auf der Hitliste der Wünsche stets weit oben: auf einer Insel wie im Paradies zu leben. Dass diese Idylle trügen kann, besonders wenn mehrere Menschen beteiligt sind, wird gerne ausgeblendet. Auch ein Leben als Robinson Crusoe ist mehr beschwerlich als angenehm. Beides spitzt sich nun in «Eden» zum Drama zu.
Erzählt wird die wahre Geschichte des deutschen Arztes und Philosophen Friedrich Ritter (Jude Law), der Ende der 1920er-Jahre mit seiner Geliebten Dore (Vanessa Kirby) auf die unbewohnte Galapagos-Insel Floreana zieht. Dort wollen sie ein naturnahes Leben fern der Zivilisation führen und dies in einem Buch dokumentieren. Die beiden lassen sich vorab sogar Zahnprothesen einsetzen, um ja keine gesundheitlichen Komplikationen zu bekommen. Als Zeitungsartikel über die Aussteiger erscheinen, landet auf der Insel bald ein weiteres Paar: Margret und Heinz Wittmer (Sydney Sweeney und Daniel Brühl) mit ihrem lungenkranken Sohn.
Inspiriert vom Artikel quartieren sie sich in einer Höhle ein. Ritter ist gar nicht begeistert über die Nachbarn und hilft ihnen kaum. Doch die Neuen kommen mit dem Leben auf der schroffen Insel und dem spärlichen Trinkwasser erstaunlich gut zurecht. So richtig Zoff gibt es aber, als noch eine Gruppe auftaucht: Baronin Eloise (Ana de Armas) mit drei Männern, die ihre Bediensteten und Liebhaber sind. Eloise hat sich in den Kopf gesetzt, auf der Insel ein Luxushotel zu bauen.
Aus Utopien können bei zu viel Egos schnell Abgründe werden, so das Fazit des Films. Was wirklich auf der Insel geschah, bekannt als «Galapagos-Affäre», haben die Beteiligten etwa in Briefen sehr widersprüchlich geschildert. Später gab es auch Dokfilme und Bücher darüber, etwa vom belgischen Krimiautor Georges Simenon. «Eden» wandelt die verrückte Geschichte nun in ein exzessives Psychodrama um. Der Film, gedreht in Queensland, Australien, beginnt subtil als stichelndes Abtasten der distanzierten Ritters gegenüber den Neuankömmlingen.
Doch sobald die Baronin auftaucht, beginnt ein Krieg um Ressourcen und Macht. Betont theatralisch und melodramatisch unternimmt sie alles, um das Paradies in eine Hölle zu verwandeln. Ana de Armas spielt die vornehme Zicke so penetrant intrigant, dass die Glaubwürdigkeit leidet. Und Ron Howard, bekannt geworden mit True-Stories-Filmen wie «Apollo 13», interessiert sich weniger für Feinheiten des Überlebenskampfs oder philosophische Ideen als vielmehr für Machtspiele. «Lord of the Flies» mit Erwachsenen – kurzweilig ist das allemal.
Heute leben noch Nachkommen jener Pioniere auf der Insel, die tatsächlich ein Hotel eingerichtet haben: die «Wittmer Lodge».
Drama
Mit Jude Law, Vanessa Kirby, Daniel Brühl, Ana de Armas
USA 2025, ab 3. April 2025 im Kino